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Auslegungshilfe · Bauphysik

Saisonaler Sorptionsspeicher mit Luftkollektor

Grobdimensionierung von Kollektorfläche und Speichervolumen aus Heizwärmebedarf und Nettogrundfläche — Standortannahmen für Freiburg im Breisgau.

Sonne → Luftkollektor → Sorptionsreaktor (Beladung) → Gebäude (Entladung, Heizperiode)

01 Gebäude

Nettogrundfläche und spezifischer Jahres-Heizwärmebedarf bestimmen die insgesamt zu deckende Energiemenge. Der Heizwärmebedarf lässt sich über die Presets setzen oder frei als Zahl eingeben.

02 Solaranteil

Anteil des Heizwärmebedarfs, der über den Sorptionsspeicher gedeckt werden soll — bis 100 % (Vollversorgung) möglich; der Rest bleibt bei einer konventionellen Nachheizung.

%

03 Standort & Kollektorphysik (DWD-TRY)

DWD-Testreferenzjahr (stündliche Direkt-/Diffusstrahlung und Lufttemperatur) hochladen, um den Kollektorertrag pro m² physikalisch statt pauschal zu ermitteln. Ohne Datei gilt weiterhin der Schätzwert aus Abschnitt 04. Die Kennwerte sind auf einen Vakuumröhrenkollektor bei 110 °C voreingestellt, weil ein Flachkollektor bei den für Sorptionsspeicher nötigen Temperaturen rechnerisch nichts mehr liefert.

Keine Datei eingelesen — es gilt der manuelle Schätzwert in Abschnitt 04.
DWD-Gitterzelle (EPSG:3034, aus φ/λ oben)[4]
–
Normen & physikalisches Modell

Datenbasis: DWD-Testreferenzjahr (Handbuch Testreferenzjahre, DWD/BBSR)[1],[2],[3], stündliche Werte für ein statistisches Jahr (8760 h). Ausgewertet werden Direktstrahlung horizontal (Spalte B), Diffusstrahlung horizontal (Spalte D) und Lufttemperatur (Spalte t); der Parser erkennt die Spaltenköpfe automatisch und funktioniert daher sowohl mit TRY2015/2017 (RW HW MM DD HH t p WR WG N x RF B D A E IL) als auch mit TRY2010/2011 (andere Spaltenreihenfolge).

Sonnenstand: Deklination nach Cooper (1969)[5], Zeitgleichung nach Spencer (1971)[6], wahre Ortszeit aus MEZ-Zeitstempel über Längengradkorrektur — Standardverfahren der Solargeometrie (z. B. Duffie & Beckman, Solar Engineering of Thermal Processes[7]), das auch den in EN-Normen referenzierten Berechnungen zugrunde liegt. Da TRY-Datensätze (2010/2011/2015/2045) die Stundenmitte uneinheitlich definieren, wird hier die Stundenmitte (HH − 0,5) angesetzt; Abweichungen sind vor allem bei Sonnenauf-/-untergang relevant.

Umrechnung auf die geneigte Fläche: Isotropes Himmelsmodell nach Liu & Jordan[8]: G_T = B·Rb + D·(1+cosβ)/2 + (B+D)·ρ·(1−cosβ)/2, mit Bodenalbedo ρ = 0,2 und Rb = cosθ/cosθz aus dem allgemeinen Einfallswinkel-Ansatz für beliebige Neigung/Ausrichtung.

Kollektorleistung: Kennlinienmodell nach DIN EN ISO 9806:2025 (Prüfnorm für Sonnenkollektoren)[9]: q̇ = η₀·Kθ·G_T − a₁·ΔT − a₂·ΔT², mit η₀ (Konversionsfaktor), a₁/a₂ (linearer/quadratischer Wärmeverlustkoeffizient) und Kθ als vereinfachtem IAM nach ASHRAE (Kθ = 1 − b₀·(1/cosθ − 1), nur auf den Direktanteil angewendet; Diffus-/Reflexionsanteil mit festem Faktor 0,9). ΔT = Tm − Ta, stundenweise aus TRY-Lufttemperatur. Negative Stundenwerte (Kollektor kälter als Umgebung nötig) werden zu 0 gesetzt.

Der resultierende Jahresertrag pro m² bei der gewählten Zieltemperatur Tm ersetzt automatisch den manuellen Schätzwert "Nutzbarer Kollektorertrag" in Abschnitt 04. Es bleibt eine vereinfachte Grobauslegung mit einer einzigen repräsentativen Betriebstemperatur statt einer dynamischen Pufferspeicher-Simulation — für die Ausführungsplanung ersetzt das keine Simulation (z. B. TRNSYS, Polysun) mit realer Regelstrategie.

04 Technische Annahmen

Standortwerte für Freiburg und Materialkennwerte — beide editierbar, da stark von Kollektortyp, Regelstrategie und Sorbens abhängig.

manueller Schätzwert
Abzug für Trinkwarmwasser-Vorrang, Kanal- und Übertragungsverluste sowie Stunden ohne Ladefreigabe
Annahmen & Rechenweg

Q_H = q_H × NGF — Jahres-Heizwärmebedarf gesamt.

Q_Speicher = f_sol × Q_H — vom Sorptionsspeicher zu deckender Anteil.

A_Kollektor = Q_Speicher ÷ (e_K · f_nutz) — Kollektorfläche aus dem Bruttoertrag e_K und dem Anteil f_nutz, der nach Trinkwarmwasser-Vorrang und Verlusten tatsächlich im Speicher ankommt.

V_Speicher = Q_Speicher ÷ e_S — Speichervolumen aus Systemenergiedichte.

e_K ist der Bruttoertrag des Kollektorfelds; der Abzug für Trinkwarmwasser-Vorrang und Verluste erfolgt getrennt über f_nutz, damit er nicht doppelt einfließt. Für Standard-Luftkollektoren werden 300–750 kWh/(m²·a), für Prozesswärme-Anwendungen 500–750 kWh/(m²·a) angegeben[10], allerdings bei moderaten Betriebstemperaturen — bei hohen T_m fällt der Wert stark ab.

Zeitbasis: DWD-TRY-Daten liegen in MEZ vor; die wahre Ortszeit wird daraus über 4·(λ − λ_Zone) + Zeitgleichung gebildet (Freiburg liegt westlich von 15° O, die Sonne steht dort also rund 29 min später im Süden als am Zonenmeridian). Für Daten in UTC ist die Zeitbasis entsprechend umzustellen, sonst steht die Sonne im Modell eine Stunde falsch.

Die Energiedichten orientieren sich an realen Anlagen statt an Laborbestwerten: Ein geschlossenes Silikagel-System (Deshmukh et al. 2017, ausgelegt für 18 kWh/3 kW) erreichte 42 kWh/m³[11]. Eine reale Zeolith-13X-Anlage mit 7 t Sorbens (ZAE Bayern, Schulgebäude München, Beladung über Fernwärme) erreichte 124 kWh/m³[12]. Ein Speichergerät mit Zeolith-13X/MgSO₄-Komposit für die Hausheizung erreichte 120 kWh/m³ bei 250 °C Beladetemperatur (Xu et al.)[13]. Die Presets übernehmen für Silikagel (42) und Komposit (120) die gemessenen Werte; für Zeolith liegt das Preset mit 90 kWh/m³ bewusst unter dem Münchner Wert, da dort mit Fernwärme bei hoher Temperatur beladen wurde.

05 Ergebnis

Heizwärmebedarf gesamt: – davon Sorptionsspeicher: –
Kollektorfläche
–m²
–
Speichervolumen
–m³
–

06 Anlagenschema

Sommerbetrieb (Beladung, oben/links) und Winterbetrieb (Entladung, rechts) im selben Anlagenbild — der Sorptionsspeicher ist die saisonale Brücke zwischen beiden.

Verteiler priorisiert Warmwasser; Überschuss belädt saisonal den Sorptionsspeicher, der im Winter über Wärmeübertrager und Heizungspuffer die Heizwärmeübergabe versorgt.

Wärme (Kollektor, Puffer, Übergabe) saisonal chemisch gespeicherte Energie (Sorptionsspeicher)

Quellen

Endnoten zu den verwendeten Daten, Rechenverfahren und Kennwerten. Bei Online-Quellen ist der erste Abruf angegeben (MESZ); wo er nicht minutengenau protokolliert wurde, steht der belegbare Zeitraum. Alle Online-Quellen wurden am 23.09.2026 um 16:01/16:02 Uhr erneut geprüft. Druckwerke ohne Abrufzeitpunkt.

  1. Deutscher Wetterdienst: Klimaberatungsmodul, Zugang zu den Testreferenzjahren (Login). https://kunden.dwd.de/obt/ – erstmals abgerufen am 23.09.2026 um 15:59 Uhr; erneut geprüft um 16:02 Uhr.
  2. Deutscher Wetterdienst: Klimaberatungsmodul, Registrierung für den TRY-Download. https://kunden.dwd.de/obt/register.jsp?productId=TRY – erstmals abgerufen am 23.09.2026 um 15:59 Uhr; erneut geprüft um 16:02 Uhr.
  3. BBSR/DWD: Handbuch „Ortsgenaue Testreferenzjahre von Deutschland für mittlere, extreme und zukünftige Witterungsverhältnisse“, Stand Juli 2017. https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/forschung/programme/zb/Auftragsforschung/5EnergieKlimaBauen/2013/testreferenzjahre/try-handbuch.pdf?__blob=publicationFile&v=6 – erstmals abgerufen am 23.09.2026 um 15:59 Uhr; erneut geprüft um 16:02 Uhr.
  4. EPSG:3034 – ETRS89-extended / LCC Europe (Lambert-Kegelprojektion, Parameter). https://epsg.io/3034 – erstmals abgerufen am 23.09.2026 um 15:59 Uhr; erneut geprüft um 16:02 Uhr.
  5. Cooper, P. I.: The absorption of radiation in solar stills. Solar Energy 12 (1969), H. 3, S. 333–346. (Druckquelle)
  6. Spencer, J. W.: Fourier series representation of the position of the sun. Search 2 (1971), H. 5, S. 172. (Druckquelle)
  7. Duffie, J. A.; Beckman, W. A.: Solar Engineering of Thermal Processes. 4. Aufl., Wiley, Hoboken 2013. (Druckquelle)
  8. Liu, B. Y. H.; Jordan, R. C.: The long-term average performance of flat-plate solar-energy collectors. Solar Energy 7 (1963), H. 2, S. 53–74. (Druckquelle)
  9. ISO 9806 – Solar energy – Solar thermal collectors – Test methods (Norm; Ausgabe 2017 zum 01.10.2025 zurückgezogen, ersetzt durch ISO 9806:2025; Katalogeintrag). https://www.iso.org/standard/67978.html – erstmals abgerufen am 23.09.2026 zwischen 15:47 und 15:59 Uhr; erneut geprüft um 16:02 Uhr.
  10. Solarserver: Solar-Luftkollektoren/Warmluftkollektor (Standard 300–750 kWh/(m²·a), Prozesswärme 500–750 kWh/(m²·a)). https://www.solarserver.de/wissen/solar-luftkollektoren-warmluftkollektor/ – erstmals abgerufen am 23.09.2026 zwischen 15:47 und 15:59 Uhr; erneut geprüft um 16:02 Uhr.
  11. Deshmukh, H.; Maiya, M. P.; Murthy, S. S.: Study of sorption based energy storage system with silica gel for heating application. Applied Thermal Engineering 111 (2017), S. 1640–1646 (Abstract). https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1359431116312005 – erstmals abgerufen am 23.09.2026 zwischen 15:47 und 15:59 Uhr; erneut geprüft um 16:02 Uhr.
  12. „Block 4: Thermochemische Speicher“ (Lehrunterlage; ZAE Bayern, Zeolithspeicher Schule München: 7.000 kg Zeolith, 124 kWh/m³). https://silo.tips/download/block-4-thermochemische-speicher – erstmals abgerufen am 23.09.2026 zwischen 15:47 und 15:59 Uhr; erneut geprüft um 16:02 Uhr.
  13. Xu, S. Z.; Lemington; Wang, R. Z.; Wang, L. W.; Zhu, J.: A zeolite 13X/magnesium sulfate–water sorption thermal energy storage device for domestic heating (Manuskript im Repositorium der University of Nottingham; 120,3 kWh/m³). https://nottingham-repository.worktribe.com/preview/949585/A%20zeolite%2013X%20magnesium%20sulfatewater%20sorption%20thermal%20energy%20storage%20device%20for%20domestic%20heating%20-%20SZ%20Xu.pdf – erstmals abgerufen am 23.09.2026 zwischen 15:47 und 15:59 Uhr; erneut geprüft um 16:02 Uhr.